Nein… Nicht die allgegenwĂ€rtige „Mund-Nase-Maske“. 😉
Ich möchte hier tatsĂ€chlich ĂŒber die ganz eigene Maske, die viele von uns jeden Tag tragen, sprechen.

„Ach… Mit Depressionen hĂ€tte ich bei Dir gar nicht gerechnet. Du bist immer so eloquent!“
„Man erkennt bei Dir gar keine Emotionen im Gesicht! Ist Dir denn alles egal?!“
„Du kannst doch lachen wenn Du mit Freunden zusammen bist! Warum nicht sonst auch?!

SĂ€tze, die ich so oder so Ă€hnlich immer wieder höre. Und tatsĂ€chlich stimmen sie sogar. Ich kann inzwischen meine „Maske“ nach Belieben auf- und wieder absetzen. Jahrelanges „Training“ durch die Depressionen. 🙄Das ich diese „Maske“ relativ lange Zeit durchaus bewusst eingesetzt habe, um meine wahren GefĂŒhle nicht zu zeigen, umso mehr kotzt mich diese „Maske“ in letzter Zeit mehr & mehr an. Und es strengt auch ungemein an…

Vielleicht mag jetzt der ein oder andere denken, dass es von Vorteil sei seine GefĂŒhle hinter einer Maske zu verstecken. Ich kann dem sogar in Teilen zustimmen. In gewissen Situationen, wie zum Beispiel in einem Job, kann es sicherlich von Vorteil sein, „nichts“ an sich ran zu lassen. Aber im „Leben“ (gerade mit einer Depression) ist das weniger von Vorteil. Ganz im Gegenteil… Inzwischen empfinde ich das sogar als Belastung. Ich möchte nicht mehr „lĂŒgen“ mĂŒssen. Ich möchte endlich mal ich selbst sein. Mit allen Höhen & Tiefen. Und vor allem auch mit meiner „Erkrankung“ als solches.

Sicherlich habe ich diese Maske auch zum Teil als „Eigenschutz“ genutzt. Andere Menschen an mich heran lassen, ihnen trauen… Das ist bei mir (noch immer/wieder?!) keine leichte Übung. Daher war ich wohl auch lange froh ĂŒber eine solche Maske. Aber wie bereits geschrieben, inzwischen ist mehr eine Be- als eine Entlastung geworden. Hat sicherlich viel damit zu tun, dass ich inzwischen mein „Ich“ wesentlich besser selbst akzeptieren und in gewissen Maße auch damit umgehen kann (Auch wenn ich noch nicht wirklich da bin, wo ich hin möchte).

Ich habe festgestellt, dass es durchaus gewisse Verhaltensmuster sind, die mich dazu gebracht haben eine Art von Maske aufzusetzen. „Gelernt“ habe ich da wohl viel von meiner Mutter. Sie hat in einem Beruf gearbeitet, in dem man es tagtĂ€glich mit Menschen zu tun hatte, eine gewisse Freundlichkeit vorausgesetzt war und in dem man sich keine „Launen“ leisten konnte. NatĂŒrlich hatte meine Mutter auch mal schlechte Tage. Und trotzdem konnte sie -scheinbar- fĂŒr die Arbeit einen „Schalter umlegen“ und das freundliche & eloquente GegenĂŒber sein. Als ich jĂŒnger war, habe ich sie dafĂŒr bewundert und habe mir dadurch wohl einen gewissen Teil abgeschaut. NatĂŒrlich trĂ€gt auch meine NPS damit bei, mich -fĂŒr mich selbst- „steuerbar“ zu machen und die Maske beliebig auf- & abzusetzen.

ne lange Zeit habe ich mich damit wohl gefĂŒhl, hĂ€ufig habe ich auch gedacht, dass es sogar (im Berufsleben/Umgang mit fremden Menschen) so sein muss. Irgendwann habe ich aber gespĂŒrt, dass dem eben nicht so ist. Ganz im Gegenteil… Je Ă€lter ich wurde, desto hĂ€ufiger habe ich bemerkt, dass auch meine Maske nicht perfekt ist und viele meiner GegenĂŒber es schnell bemerkt haben, wenn ich ihnen etwas „vorgemacht“ habe. Lange Zeit kam dann die „typische“ Ausflucht dass dem doch nicht so sei und man sich keine Gedanken machen solle.

TatsĂ€chlich bin ich aber damit in den letzten Jahren mehr & mehr „auf die Nase gefallen“. Ganz erschreckend wurde es vor noch gar nicht so einer lange Zeit bei einem Arbeitgeber (Der zugleich auch GeschĂ€ftsfĂŒhrer war), der das unglaubliche Talent hatte sehr hĂ€ufig hinter diese Maske/Fassade zu schauen. Zuerst habe ich mich ĂŒbelst „ertappt“ gefĂŒhlt, dann bin ich relativ schnell in „Abwehrhaltung“ gegangen und habe mich letztendlich mit ihm in die Haare bekommen (Und dadurch auch den Job verloren). Inzwischen sehe ich aber, dass er es damals gar nicht böse gemeint hat (So kam es nur bei mir im Kopf an) und eigentlich alles dafĂŒr getan hat, es eben nicht so „eskalieren“ zu lassen.

Und dieser Job bzw. die UmstĂ€nde mit dem damaligen GeschĂ€ftsfĂŒhrer haben mir gezeigt, wie wichtig es doch ist, ich selbst zu sein. Ganz ohne Maske und irgendwelchen vermeintlich freundlichen Phrasen.

Leider ist diese Erkenntnis nur der erste Schritt. Die Umsetzung fĂ€llt mir noch immer sehr schwer. TatsĂ€chlich hatte ich vor einigen Tagen einen wichtigen Termin in dem es durchaus um mich & meine Erkrankungen ging. Bei diesem Termin fiel es mir unglaublich schwer, ich selbst zu sein, mir meine SchwĂ€chen zuzugestehen und nicht wieder „einfach nur freundlich“ zu sein. (Fremde) Menschen an mich heran zu lassen, ihnen -ganz sachlich und durchaus neutral- meine Situation schildern, ihnen nicht einen eloquenten Mann „vorzuspielen“ sondern durchaus zuzugeben das man in bestimmten Situationen mehr als nur unsicher ist… Uff… Das ist tatsĂ€chlich ein verdammt hartes StĂŒck Arbeit. (Alte) Verhaltensmuster aufbrechen und durch neue (positive) Muster ersetzen. Ich glaube, dass ist meine Agenda fĂŒr 2020.

Auch wenn es (noch) verdammt viel Kraft & Überwindung kostet. Auch hier gilt fĂŒr mich folgende Devise: „Lieber kleine Schritte, als gar keine!“

Ich bin gespannt auf dieser Art von Arbeit, zugegeben, es macht mir auch ein wenig (mehr) Angst. Wo man sich doch so lange Zeit mit diesen Verhaltensmustern & der Maske „arrangiert“ wenn nicht sogar „wohl gefĂŒhlt“ hat. Da kann man wohl nicht „mal eben“ mit einem Fingerschnips solche Muster abstellen… đŸ˜¶

Auch hier nochmals als kleiner „Reminder“:
Genau das ist es, was viele psychische Erkrankungen so anstrengend macht. Verhaltensmuster erkennen und verĂ€ndern. Das ist ein tĂ€glicher Kampf mit sich selbst, den Emotionen und in ganz vielen FĂ€llen auch mit der eigenen Angst. In dieser Hinsicht kann das Seelenleben schon eine verdammte Zicke sein. Muster, die man irgendwann mal erlernt hat, lassen sich eben leider nicht von jetzt auf gleich verĂ€ndert. Das ist in den meisten FĂ€llen ein langwieriger Prozess. Vergesst das bitte niemals im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen. Was man in solchen Phasen braucht, ist ein wenig VerstĂ€ndnis, Zuspruch und vielleicht auch ein wenig UnterstĂŒtzung. Was uns Betroffenen nicht hilft, ist DrĂ€ngen, UnverstĂ€ndnis oder gar Kritik an der Erkrankung. Dies bestĂ€tigt jemanden mit einer psychischen Erkrankung oftmals in den alten Verhaltensmuster und machte eine VerĂ€nderung nur unnötig schwer. 💚

Artikelbild von Gerhard G. auf Pixabay

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