Die Sache mit…

…der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS).

Die „Erneuerung“ dieser Diagnose ist jetzt erst ein paar Tage her. Und trotzdem „hadere“ ich erneut ein wenig mit dieser Diagnose. Weil sich, auch für ich als Betroffener, eine NPS auf den ersten Blick (Und Schwarz auf Weiß) erst einmal recht „hart“ anhört/liest. Zwar habe ich das ein oder andere Mal dieses Thema in den Einzelsitzungen angesprochen und abgeklärt ob und inwieweit mein Bezugstherapeut dieser „alten“ Diagnose folgt. Man kam übereinstimmend zum Schluss, dass durchaus Anteile vorhanden sind, jedoch momentan weniger stark ausgeprägt. Und trotzdem blieb ein wenig dieser fade Beigeschmack zurück. War doch sofort wieder dieses ungute Gefühl von „Verurteilung“ anderer Menschen aufgrund dieser Diagnose da. Zwar ist es in einer NPS nicht ungewöhnlich, dass man sich als Betroffener ziemlich oft (und auch oftmals in falschen Situationen) „verurteilt“ fühlt, doch habe ich inzwischen ein recht gutes „Radar“ für meine eigene Kopfkirmes entwickelt, welches mir gut anzeigt wann ich mal wieder daneben liege und wann nicht. So auch in der Behandlung in der Tagesklinik.

So weit, so gut. Stimmte dies doch mit meinem Selbstbild überein. Ich bin mir -gerade in den letzten Jahren- sehr bewusst geworden, dass ich eben an einer NPS „leide“ (Ja, ich schreibe ganz deutlich „Leid“, dazu später aber mehr). Allerdings hatte bzw. habe ich auch das Gefühl die NPS gut unter Kontrolle zu haben. 

Ich bin relativ offen mit meinem „Krankheitsbild“ umgegangen und habe auch aus der „alten“ Diagnose NPS keinen Hehl draus gemacht. Zwar kamen durchaus auch interessierte Nachfragen, doch oftmals habe ich einen kurzen Moment des Schreckens bemerkt (Mal mehr, mal weniger offensichtlich). Man steht einem „Narzissten“ gegenüber, der kann einem doch nur böses wollen. So zumindest oft der erste, unbewusste Gedankengang. Ich kann und will diesen Gedankengang gar nicht verurteilen, schon allein nicht weil dieses Wort („Narzissmus“) so enorm stark nachwirkt und ihm im Grunde nur negative Assoziationen anheften.

Aber ist es tatsächlich so, dass Menschen mit einer NPS „böse“ und nur auf sich selbst bedacht sind?!

Jein… Sowohl als auch. Sie können, wollen aber nicht. Es ist ein stetiger Kampf im Kopf zwischen den Emotionen. Man sieht, diese Frage ist schwer zu beantworten, vielleicht auch deswegen haftet der NPS noch immer so ein negatives Bild an.

Hätte man mir vor einigen Jahren -Und den eigentlich Diagnosen- gesagt, ich habe eine NPS, ich hätte wohl abgewunken und behauptet, dass ich einfach so bin. Und diese Momente kommen auch immer wieder durch. Momente in denen ich der NPS wohl einfach zu viel Platz gebe und somit nicht mehr unter Kontrolle habe, was & wie ich etwas sage. Das sind -rückblickend- extrem unangenehme Momente. Besonders für meine Mitmenschen, die nicht gut damit umgehen können bzw. nicht wissen wieso ich so bin wie ich bin. Auch da hilft mir inzwischen aber mein oben angesprochenes Radar sehr gut. Ich kann diesen Momenten nicht immer zu 100% aus dem Weg gehen, ich kann inzwischen aber deutlich schneller darauf reagieren und mich erklären. Und es fällt mir schon lange nicht mehr so schwer, auch diese eigene Schwäche zuzugeben. 

Denn im Grunde -Und das unterstelle ich jetzt mal allen Betroffenen mit NPS- möchte man keinen Menschen in seinem nahen Umfeld vor den Kopf stoßen. Allerdings, da genau liegt der Knackpunkt, ist dieser „Steuerungsmechanismus“ bei Betroffenen gestört und bedarf viel Anstrengung & Kraft um in wieder neu auszurichten. Genau da liegt aber auch der Leidensdruck bei den Betroffenen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Menschen mit NPS durchaus bewußt wahrnehmen, dass sie „anders“ im Umgang mit anderen Menschen sind. Auch glaube ich, dass viele der Betroffenen innerlich schwerste Kämpfe mit sich selbst führen. Leider gibt es wohl aber auch immer wieder Betroffenen, bei denen die NPS die Oberhand gewinnt und somit die gar nicht so netten Seiten herauskehrt. Und genau das sind die Momente, in denen anderen Menschen -zurecht- Angst bekommen. Momente voller Eigennutz, Arroganz, maßlosen Übermut & Selbstüberschätzung.

Ja, auch ich habe diese Momente gehabt und offen ausgelebt. Was war ich doch zu dieser Zeit ein toller Hecht. *ironie*

Leider überwiegt dieses Gefühl ganz & gar nicht. Ganz im Gegenteil. Auf jeden noch so tollen Höhenflug, folgt in aller Regel ein umso härterer Absturz. Mir haben diese „Abstürze“ regelmäßig einen mehr oder minder starken Anflug von Depressionen beschert. Und seien wir mal ganz ehrlich… Ganz gleich, ob an meinen Höhenflügen etwas dran war oder nicht… Kaufen kann man sich von Anerkennung wahrlich nicht besonders viel. Menschliche Zuneigung schon mal gar nicht! Aber im Kern geht es oftmals eben genau um diese Zuneigung. Ich will gemocht werden so wie ich bin. Nicht dafür, was der Kopf mir meint vorzuspielen zu sein.

Es ist kein leichter Weg sich selbst zu mögen wenn die Kopfkirmes einen selbst ständig torpediert. Und es ist nicht leicht, sich Menschen zu stellen und dies auch genauso auszusprechen. Man muss am Ball bleiben, sich auf andere Menschen einlassen können und auch eine gewisse Langatmigkeit aufweisen. Vor allem braucht man aber eben auch ein gewisses Radar für sich selbst. Man sollte gut trainieren, in sich selbst zu horchen und Momente in denen die NPS wieder droht „auszuschlagen“ schon im Vorfeld abzufangen.

Nein, mir fällt es nicht immer leicht rechtzeitig gegenzusteuern.

Und ja, ich renne auch immer noch in bestimmten Situationen weg (Oder vermeide). Besonders, wenn ich mit anderen Charakteren zusammentreffe, die auch gerne mal den „Schwanz“ auf den Tisch legen um zu zeigen wie toll sie doch sind. Oftmals hat das etwas mit dem berühmten Spiegel zu tun der einem vorgehalten wird. On solchen Momenten schmerzt es wieder und ich muss häufig mit meiner NPS kämpfen um ihr rechtzeitig das Wasser abzugraben. 

Neben diesen Schwierigkeiten eigene Gefühle & Bedürfnisse wahrzunehmen, ist es eben auch dieses totale Ungleichgewicht zwischen Selbstwert & Selbstunsicherheit das es verdammt anstrengend macht. Mir hat es oft geholfen, von liebgewonnen Mensch direkt drauf angesprochen zu werden. Zwar ist es nach wie vor in diesem Moment eine kleine Kränkung an mir & meiner Person, doch hilft es mir auch enorm zu erkennen, dass die Kopfkirmes mal wieder mit mir selbst kämpft. Und somit im Endeffekt aus solchen Situationen zu lernen.

Vielleicht erkennt man es ein wenig. „Narzissten“ sind nicht „böse“. Sie können sich nur ungemein gut als „böse“ verkaufen. Im Inneren stehen sie allerdings wohl alle durchweg durch die Bank unter einem enormen Leidensdruck und kämpfen beinahe täglich viele Kämpfe mit sich selbst. 

Es wäre also zu wünschen, wenn mehr Mitmenschen -nach dem ersten „Schock“- eventuell mal ein bisschen hinter die Kulisse schauen und nicht sofort verurteilen. Jemand der sich seine NPS klar ist, will im Grunde nicht böse zu anderen Menschen sein. Er hat nur oftmals einen sehr langen & anstrengenden Weg vor sich, um seine eigene Kopfkirmes wieder „umzuprogrammieren“ und sie in einigermaßen „normale“ Bahnen zu lenken. Also auch hier… Unterschreibt nicht sofort und blindlings den ersten Eindruck eines Menschen… ;) 

2 Kommentare bei „Die Sache mit…“

  1. […] denkst ja nur an Dich!“ – Hier bezogen auf die NPS. Ja, ich hatte Phasen in denen ich wirklich nur an mich gedacht habe. Und in denen ich ein […]

  2. […] schon im ersten Beitrag zum Thema NPS geschrieben, würde ich mich für alle Betroffene freuen, wenn man im Alltag nicht gleich den […]

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