Das Leben mit der #Kopfkirmes ist oftmals von einem bestimmt:
Ein (gefühltes) zielloses Wandern durch den Alltag.

Es gibt eigentlich nur wenige Tage, an denen ich mich nicht mindestens einmal frage, wohin mich mein Weg noch führt. Lange Zeit hatte ich Angst vor dieser Frage. Hat diese Frage mir doch suggeriert, was ich noch nicht erreicht habe bzw. was ich wohl auch nie erreichen werde. Eigenes (falsches!) Anspruchsdenken, befeuert durchaus auch von sozialen Medien in denen ja oftmals eine sehr „heile“ & erstrebenswerte Welt gezeigt wird, aber auch von meinem ganz eigenen Denken.

„Haste nix, biste nix!“

Partnerschaft, Reisen, „Luxus“, „Happy Life“ eben. Und dazu sind diese Menschen auch noch wunderschön. Nun gut, dass es im Prinzip mehr eine Werbeveranstaltung & gut gemachter Fake ist, dahinter bin ich inzwischen auch gekommen. Trotzdem triggern mich bzw. meine Kopfkirmes solche Dinge ab & zu immer noch. Und in diesen Momenten geht dann auch oftmals wieder die Suche nach dem (Lebens)Weg los. Und ich ziehe dann wieder unweigerlich Vergleiche…

Das dass alles völliger Quatsch ist, habe ich selbst lange nicht bemerkt. Ganz im Gegenteil. Ich habe es als normal empfunden, sich mit anderen zu vergleichen und alles dran zu geben, diese Menschen sogar noch zu übertrumpfen. Oftmals auch mit nicht ganz so fairen Methoden. Und oftmals auch nicht wirklich zuträglich für mich & meine Finanzen. 🙄

Ganz oder gar nicht. Oder: Haste nix, biste nix!

Völliger Bullshit, wie ich jetzt auf einem langen Wege durch die Therapie lernen musste. Es ist nicht notwendig, etwas zu sein oder etwas zu werden, was man gar nicht ist! Leider ist das in einer depressiven Episode gar nicht so einfach. Ich fühle mich in solch einer Phase irgendwie „unsichtbar“. Weder fühle ich mich selbst, noch kann ich in irgendeine Form an die Zukunft denken/irgendwelche Pläne machen. Was nach außen hin vielleicht wie Resignation oder „Faulheit“ aussieht, ist in mir aber dann ein erbitterter Kampf. Ein Kampf zwischen „Nicht aufgeben“ und „Wenigstens ein bisschen Licht am Ende des Tunnels sehen“. Und ich kann eins sagen, dieser „Kampf“ ist verdammt Kräftezehrend.

Radikale Akzeptanz

Ich habe es immer mit der offenen See verglichen. Man steckt in einem Rettungsring und versucht im aufgewühlten Wasser nicht unterzugehen. Rückblickend betrachtet, wundert es mich echt, dass ich nicht tatsächlich „untergegangen“ bin. Und ich hab nicht nur einmal gekämpft um nicht abzusaufen…
Dann kam irgendwann die Zeit der großen Lethargie. In dieser Zeit habe ich weder irgendwelche Pläne gemacht, noch habe ich mich besonders intensiv damit beschäftigt, was in der Vergangenheit so alle passiert ist. Natürlich hat mich auch das nicht weiter gebracht. Allerdings hat es mir auch nicht komplett die Socken ausgezogen. Es war oft eine gefühlte „Scheiß-drauf“ Stimmung.

Inzwischen bin ich -mal wieder- über meinen Schatten gesprungen. Schon 2005, während der Behandlung in der Klinik, habe ich die beiden Worte „Radikale Akzeptanz“ gehört. Ebenso wurde mir nahegelegt, es auch wirklich zu beherzigen. Nun ja… Bei manch einem macht es früher „Klick“, bei mir eher später. 😅
Vielleicht habe ich anfangs auch nicht verstanden oder wollte es nicht beherzigen weil ich mich doch schon ein wenig „wohlgefühlt“ habe mit meinem „Rettungsring“ im Meer. Nach vielen Jahren (und gutem Zureden meines Therapeuten) kann ich aber durchaus mit der Akzeptanz arbeiten. Eine Situation, oder besser: Ein Gefühl (auch von mir selbst) so nehmen wie es in diesem Moment/in dieser Situation ist. Genauso wenig aus dem Impuls heraus reagieren wie die Situation zu „zerdenken“.

Sicherlich gelingt mir das noch nicht immer. Es gibt noch so einige Dinge, die mich aus der Bahn werfen. Erstaunlicherweise sind es eher „Kleinigkeiten“ oder Dinge aus dem Alltag.

Als kleines Beispiel aus dem Alltag:
Was habe ich mich aufgeregt, als mein alter Computer seinen Dienst verweigert hat. Der Tag war tatsächlich für mich gelaufen und rückblickend auch sowas von unnötig „weggeschmissen“… Ich hab eh nichts dran ändern können… Selbst wenn ich auf einem Bein im Kreis getanzt hätte… Der Computer wäre kaputt geblieben. Aber Nein, ich musste mich ja aufregen und mich in dieses Gefühl reinsteigern… 😖

Bei „Wichtigen“ Dingen, bin ich allerdings schon seit 2017 irgendwie recht entspannt. Wobei man eigentlich Dinge nicht bewerten sollte. Es sind alles Sachen, die im Alltag passieren. Und ich bemerke von mal zu mal, wie gut es sich doch anfühlt, Dinge „einfach“ passieren zu lassen. Vormals habe ich mich irgendwann wie ein Dampfkessel gefühlt. Diese angesammelte Spannung von Gefühlen musste irgendwann raus. Und hat die Sache dann nicht leichter gemacht. Im Gegenteil. Inzwischen spüren ich diesen „Druck“ immer seltener. Wahrscheinlich auch, weil ich Dinge einfach mal so stehen lasse, wie sie passieren.

Das ist natürlich kein Patentrezept für ein vollkommenes „Happy-Life“, aber sicherlich schon mal ein guter Schritt dahin. Und natürlich werde ich sicherlich auch immer mal wieder Dinge erleben, die nicht so besonders knorke sind. Doch wenn ich da wesentlich entspannter mit umgehe, verlieren sie eventuell ihren großen Schrecken. Und genauso versuche ich auch mit meinem „Lebensweg“ umzugehen.

Dinge passieren… Es kommt, wie es kommt… Lass es auf Dich zukommen…

Mantras, die tatsächlich irgendwie unbewusst in meine Alltagsroutine eingezogen sind. Und mir in den letzten Wochen & Monaten durchaus ein bisschen mehr „Entspannung“ aber auch Lebensfreude gebracht haben. Und somit habe ich auch wieder ein besseres Gefühl für „den Weg“ der noch vor mir liegt. Ich kann zwar immer noch nicht in die Zukunft schauen und mit Sicherheit sagen, was in einem Jahr so alles ist (Wenn ich das könnte würde ich wohl auch massenweise Geld verdienen), aber es gibt mein ein bessere Gefühl für meinen Lebensweg. Es geht halt gerade ein bisschen langsamer. Aber es geht vorwärts… Und das ist ja immerhin eine gute Richtung.

Und daran kann (und möchte) ich auch nichts ändern. Selbst wenn ich auch einem Bein im Kreis tanzen würde… 😉

Beitragsbild von Ghinzo auf Pixabay

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