Die vierte Woche der Medikation für/gegen das ADS liegt nun hinter mir. Ein kleiner & vorläufiger „Erfahrungsbericht“.

Wie sehr sich persönliche Einstellungen doch ändern können. Hätte man mir noch vor einigen Jahren gesagt, ich würde eine (durchgehende) Medikation „unterstützen“ bzw. selbst anwenden, ich hätte demjenigen wohl einen Vogel gezeigt. Ich war nie ein Freund langfristiger Medikation, grad bei psychischen Beeinträchtigungen nicht. Gerade in Sachen Antidepressiva gibt es m.M.n. nicht wenige Nebenwirkungen die -mitunter- auch das „Wesen“ einer betroffenen Person verändern.

Jetzt ist es aber mit meiner (fast) gesicherten Diagnose auf ADS so, dass ich ja eine durchgehende Medikation „verordnet“ bekommen habe. Und ich muss nach den ersten vier Wochen tatsächlich sagen, dass die Medikation mehr als nur ein „Hilfsmittel“ ist und nur „temporär“ hilft.

Das Medikinet welches ich nehme, zeigt inzwischen eine sehr deutliche (positive) Wirkung und lässt mich somit dieses „Chaos im Kopf“ wesentlich besser beherrschen bzw. „unterbinden“. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie einen extrem vollen Platz bei z.B. einem Volksfest/Kirmes/Markt/o.ä. Die Gedanken laufen zwischen den Buden kreuz & quer umher, schauen mal an der einen Bude, gehen dann fix weiter zu nächsten Bude, sehen dort was interessantes und und laufen dann durch die Masse der anderen Gedanken, quer über den Platz. Das somit ein völliges Durcheinander im Kopf vorherrschst, sollte klar sein. Nur war mir das tatsächlich nie wirklich so klar (weil ich es ja nicht anders kannte) und ich hab mich versucht, irgendwie damit zu arrangieren. Jetzt unter der Medikation, bemerke ich endlich mal, wie „angenehm“ das doch sein kann wenn die Gedanken in einer eher geordneten Bahn laufen und nicht schon fast im Sekundentakt einen „Sprung“ machen. Auch lässt mich diese Ordnung/Ruhe im Kopf meinen Alltag wesentlich strukturierter und organisierter angehen.

Das ist ist der Tat für mich sehr erstaunlich und auch nach vier Wochen noch nicht wirklich „greifbar“. Wie „einfach“ man doch eine Mechanik oder Verhaltensweise mit einem Medikament „aushebeln“ kann. Natürlich ist noch lange nicht alles Gold was glänzt… Ich zeige noch immer gewisse Verhaltensweisen, die ich mir über die Jahre „antrainiert“ habe (wie z.B. das Aufschieben von Aufgaben), an denen ich sicherlich noch arbeiten muss. Allerdings ist schon allein die „Ruhe“ im Kopf sehr viel wert.

Gefühlt habe ich in den letzten vier Wochen so viel geschafft, wie im ganzen letzten Jahr nicht. 😅

Ein anderer -sehr wesentlicher- Aspekt ist der, dass ich seit Beginn der Medikation viel „ausgeglichener“ bin. Ja tatsächlich… Viele die mich persönlich kennen, werden es nicht glauben können. Aber ich war (und bin noch immer in manchen Situationen) ziemlich schnell, ziemlich „gereizt“ und bin nicht nur einmal wegen vermeidlichen Kleinigkeiten „an die Decke“ gegangen. Inzwischen fällt mir die „Impulskontrolle“ wesentlich leichter (Was kann ich jetzt entspannt einkaufen gehen, ohne bei jedem kleinen Reiz förmlich platzen zu wollen). Das ist schon eine sehr feine Veränderung. Um ehrlich zu sein, möchte ich das nicht mehr missen.

Daher sehe ich tatsächlich auch ein, dass eine durchgehende Medikation bei diesem „Störungsbild“ absolut angebracht ist. Klar ist es nicht schön, ggf. ein Leben lang auf eine Medikation angewiesen zu sein. Aber der deutlich „Zuwachs“ an „Lebensqualität“ wiegt dieses Argument bei Weitem wieder auf. Hätte ich die Diagnose und entsprechende Medikation schon früher erhalten, wer weiß was mir alles „erspart“ geblieben wäre…

Aber… Hätte, hätte, Fahrradkette… ;)
So muss ich jetzt das Beste draus machen und freu mich verdammt, dass die Medikation bei mir scheinbar so gut „anspringt“. Das hilft schon enorm viel, auch wenn natürlich noch ein gewisser Weg vor mir liegt.

Zumindest kann ich diesen Weg ein bisschen „ruhiger“ angehen… ;)

Artikelbild von Free-Photos auf Pixabay

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