Sag mir wer Du bist, dann sag ich Dir, wie Du fährst…

Oder auch: Eine kleine Typologie der Fahrschüler

So zahlreich wie die Modelle der Autohersteller sind, so zahlreich sind auch die Fahrschüler in ihrer Art. Heute möchte ich Euch mal ein paar (meiner) Highlights vorstellen. Vielleicht findet sich der ein oder andere ja wieder.

Der Lehrreiche

Einer meiner liebsten Fahrschüler. Hört zu, stellt (intelligente) Fragen und setzt Anweisungen recht schnell um. Weiß ziemlich genau, um was es in der Führerscheinausbildung geht. Arbeitet mit und analysiert sich auch mal ganz gerne selbst. Die Ausbildung des Lehrreichen macht Spaß und ist absolut unkompliziert. Selbst wenn Mängel bestehen, der Lehrreiche sieht sie häufig selbst und „ist stets bemüht“ sie abzustellen. Kommt im Alltag häufig vor, verlässt das Auto leider recht schnell (und meistens auch erfolgreich).

Der „Ja, aber…“

Whooouu…Ich feier diesen Typ Fahrschüler immer. Hart. Jeder Einwurf des Fahrlehrers wird mit „Ja, aber (!abba!)…“ beantwortet. „Da war ein Stopschild, da muss man halten!“ – „Ja, aber es kam doch keiner!“, „Hier ist rechts vor links, das Fahrzeug von rechts hatte Vorfahrt!“ – „Ja, aber der Fahrer hat so komisch geguckt und wollte mich fahren lassen!“, „An Fußgängerüberwegen müssen wir besonders gut schauen!“ – „Ja, aber es ist doch dunkel und schon spät. Da kommt doch sowieso kein Fußgänger mehr!“. Uaarrghhh…Und so geht das am laufenden Band. Ja, aber…ABBA war eine schwedische Popgruppe!!! Kommt eher selten vor, aber dann mit großer Hartnäckigkeit. Die meisten „Ja, aber“ Sager lassen sich allerdings irgendwann von guten (und richtigen) Argumenten überzeugen. Denn irgendwann ist es angekommen, dass das was der Fahrlehrer sagt, Hand und Fuß hat. Bei allen anderen hilft irgendwann nur noch „Lernen durch Schmerz“.

Der Ja-Sager

Der „Ja-Sager“ ist nicht zu verwechseln mit dem „Ja, aber…“ Sager. Der „Ja-Sager“, sagt wirklich nichts anderes. Er gehört eher zu den stillen Fahrschülern, die jeden Hinweis und Tipp des Fahrlehrers eben nur mit „Ja“ beantworten. Macht es in der Ausbildung immer besonders spannend. Ist es auch wirklich im Oberstübchen angekommen oder war das wieder nur ein antrainierter Reflex (Pawlow…Glöckchen und so!)?! Viele von den „Ja-Sagern“ sind einfach nur schwer konzentriert und haben nicht genug Reserven und anders zu antworten. Und setzen trotzdem alles um, was man ihnen beibringt. Gewinnerseite! Einige wenige dagegen, wehren damit aber wohl jegliche Anstrengung im Oberstübchen gleich im Vorfeld mit ab. Ins rechte Ohr rein, aus dem linken wieder raus. Verliererseite! Das macht die Ausbildung dann extrem schwer weil eben nichts ankommt. Stupides „trainieren“ ist dann häufig angesagt.

Der Experimentierfreudige

Dieser Typ Fahrschüler probiert sich gerne aus. Mal mehr oder weniger erfolgreich. Und manchmal auch etwas übers Ziel hinaus. Man muss ihn im Wahrsten Sinne etwas bremsen. Kommt nicht allzu häufig vor, ist dann aber meisten männlich. An sich aber ein guter Typ Fahrschüler. Man merkt deutlich den Spaß am Autofahren, am „entdecken“ neuer Dinge. Aber gerade zu Beginn der Ausbildung ist es ein wenig anstrengend. Man kann kaum ein Satz zu Ende sprechen, da hat sich der Experimentierfreudige schon ausprobiert. Nach einiger Zeit kennt er aber seine Grenzen und stellt die Geduld von uns Fahrlehren nicht mehr ganz so sehr auf die Probe. Richtig anstrengend ist er nicht, nur wenn der nächste Typ mit hineinspielt.

Der „Das machen andere auch immer so…“

Aiaiai…Da haben wir einen Typ Fahrschüler, der -von wem auch immer- verdorben worden ist. Er hat sich brav jahrelang etwas bei der Familie oder bei den Freunden abgeguckt und meint, das Ganze dann auch in den Fahrstunden so machen zu müssen. Auf den letzten Drücker über eine gelbe Ampel fahren?! Am besten noch über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit?! Läuft! Machen alle anderen ja auch so. Sich hinter einer Schlange von wartenden Fahrzeugen noch mit auf die Kreuzung quetschen?! Machen die anderen doch auch immer so! Kompliziert, aber nicht hoffnungslos. Auch bei diesem Typ Fahrschüler muss man einfach mit guten Argumenten kontern („Wenn alle anderen vor den Baum fahren, machst Du das dann auch?!“). Dann versteht er es auch meistens und lässt sich drauf ein. Die Schwierigkeit bereiten nur die „abgeguckten“ Verhaltensmuster, die man mühsam wieder abtrainieren muss.

Der Kopfmensch

Kommt gar nicht so selten vor wie man glaubt. Der Kopfmensch macht sich Gedanken….zu viele. Natürlich muss man gerade in der Führerscheinausbildung den Kopf sehr anstrengen. Doch der Kopfmensch strengt das Hirn viel zu sehr an. Irgendwann soll der Fahrschüler ja auch selbstständig fahren können. Wenn man allerdings dann immer noch erst 15 Minuten nachdenken muss bevor der Wagen überhaupt gestartet ist…Dann wirds schwierig. Beim Kopfmensch kann ich als Fahrlehrer nicht viel tun. Außer Ratschläge und Tipps geben. Das „Umdenken“ muss im Kopf des Fahrschülers beginnen. Mehr mit dem Bauch, als mit dem Kopf fahren (zumindest in späteren Ausbildungsstufen). Auch wenn man der heutigen Jugend nur noch das exakte Bedienen von Smarthphones vorwirft. Der Kopfmensch trifft eigentlich recht häufig und in Phasen auch bei jedem Fahrschüler auf. Es wird also doch noch mehr gedacht als angenommen…

Der Scheuklappenblick

Beim Scheuklappenblick denke ich immer nur: „Huhu…Jemand zu Hause?!„. Und das kann viele Gründe haben. Positive wie auch negative. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen…Außer…AUFWACHEN!

Ihr seht, ich habe täglich mit vielen verschiedenen „Typen“ zu tun. Und zugegeben, die hier erwähnten sind eventuell etwas überspitzt dargestellt. ;) Eigentlich sind die meisten Fahrschüler eine gesunde Mischung aus allem. Und auch völlig „normal“ drauf im Auto. Völlig unkompliziert. Aber so einige stechen halt raus und bleiben durchaus in Erinnerung. Fahren können sie nämlich am Ende trotzdem alle. Und von einem Charakter auf einen Fahrertypen zu schließen, dass machen wir Fahrlehrer ja nicht. Als dann…Vielleicht erkennt Ihr Euch ja in dem ein oder anderen (ein wenig) wieder… ;)

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. „Ja, abba“ Sterotypen träten ja glücklicherweise in ihrer jeweiligen Idealform selten bis gar nicht auf. Auch wenn man es leichter sagt, als es getan ist: „Kopf nicht hängen lassen“, die bö(höhöhö)sen (Fahr-)SchülerInnen kommen und gehen wieder. Mist, dann kommt auch gleich direkt der Nächste… Ein Teufelskreis!

    Ich frage mich, wie wohl die Mischung aus „Ja abba!“ und „Das machen andere auch immer so“ ankommt. Die lassen sich wahrscheinlich nicht mal mehr von Bäumen oder Bambis abhalten -> Dislike.

    best regards
    „Cas“

    ps: schicker Block!

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