Die Sache mit den „Medis“

Oder auch: Bunte „HappyPills“ für einen bunten Kopf!
Versteht mich bitte nicht falsch, trotz meiner etwas saloppen Formulierung, ich halte medikamentöse Unterstützung bei psychischen Erkrankungen durchaus für wichtig & richtig. Doch gehe ich auch da meinen eigenen Weg…

Zwangsläufig kommt für einen Betroffenen wohl irgendwann mal die Frage auf, Medikamente im Laufe seiner „Erkrankung“ zu nehmen. Gibt es inzwischen tatsächlich auch viel Präparate, die zuverlässig eine „Kopfkirmes“ abmildern bzw. „unterdrücken“ können. Wobei man schon allein bei dem Wort „Unterdrücken“ oftmals Ängste bei Betroffenen & Angehörigen auslöst. Hört man doch immer wieder, dass „Psychopharmaka“ das Wesen verändern und/oder Betroffene zu anderen Menschen macht. Ja, das mag in Teilen stimmen. Es mag tatsächlich Präparate geben, die heftigst auf die neuronalen Abläufe im Kopf einwirken. Das sind aber in aller Regel so heftige Präparate, dass sich verschrieben und nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Und in den meisten Fällen auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Um diese soll es aber weniger gehen. Viel mehr um die „Haus- & Hofpräparate“ die wohl jeder Betroffene schon mal gesehen hat.

Ich selbst habe in meinem Leben eigentlich nie besonders viel „Medikamente“ bekommen. Das „erste Mal“ Schmerzmittel habe ich nach einer regulären Operation an der Hüfte bekommen als ich noch nicht ganz volljährig war. Und dann erst wieder, als es das erste Mal bei mit „geknallt“ hat. Damals lag ich ja für einige Tage im Krankenhaus und habe dort echt „gute“ Beruhigungsmittel bekommen. Was in meinem damaligen Zustand auch durchaus berechtigt war. Als ich dann wieder in der Heimat war und die erste Behandlung aufgenommen habe, wurde ebenfalls drüber gesprochen die Behandlung medikamentös zu unterstützen. Da ich zu der Zeit aber noch sehr „unbedarft“ war und ich wohl nach jedem Strohhalm gegriffen habe, habe ich es versucht. Ich weiß nur noch, dass es etwas zur Stimmungsaufhellung war. Und das ich die Medis eigentlich nur während der Behandlung nahm. Nach Ende der ersten Behandlung ging es mir dann wohl so gut, dass ich sie hab wieder ausschleichen lassen. Auch während der zweiten Behandlung wollte ich eigentlich keine Medis nehmen. Zur Unterstützung wurden mir aber kurzfristig leichte Antidepressiva verschrieben. Auch diese habe ich mit Ende der Behandlung wieder ausgeschlichen.

Dann folgen viele Jahre ohne medikamentöse (aber auch therapeutische) Unterstützung. Natürlich habe ich in dieser Zeit, besonders in den „Tiefphasen“, immer wieder kurzzeitig drüber nachgedacht, ob es nicht Sinn macht mir ein Präparat verschreiben zu lassen. Hätte es doch vielleicht den Alltag etwas „leichter“ gemacht. Scheinbar konnte ich mich aber immer wieder abwenden von diesem Gedanken, habe ich doch nie mit medikamentöser Unterstützung gearbeitet.

Erst 2017 kam es mir dann wieder ernsthaft in den Sinn. Noch nicht einmal so sehr wegen der Kopfkirmes, viel mehr wegen meinen langanhaltenden Schlafproblemen. Ich wollte mich Nachts „einfach“ nur noch „wegknipsen“ weil es mich so sehr belastet hat. Im Zuge der ersten Krankschreibung hat mir meine Hausärztin dann auch ein leichte Mittel verschrieben, welches bei mir erstaunlich schnell & gut angeschlagen hat. Es war aber in der Hauptsache erst einmal nur für Schlafen gedacht. Nach einigen Wochen wollte ich aber auch gerne etwas für meine „Stimmung“ haben, da ich trotz „ausreichendem“ Schlaf immer noch sehr Niedergeschlagen war. Als gab es bei der Hauärztin ein zweite Rezept für ein -ebenfalls leichtes- Antidepressivum. Jetzt ist das in aller Regeln bei solchen Präparaten so, dass sie sich zu Beginn erst einmal „einschleichen“ müssen (Quasi einen Wirkungsspiegel im Körper aufbauen müssen). Das kann durchaus schon mal vier bis sechs Wochen dauern. In dieser Zeit kommen aber häufig -leichtere- Nebenwirkungungen zum Vorschein. So auch bei mir. Ich hatte in der Anfangsphase fast täglich leichte Kopfschmerzen und war recht „hibbelig“ & „aufgekratzt“. In Absprache mit meiner Ärztin habe ich sie trotzdem weiter genommen, da dies durchaus auf die Nebenwirkungen passte. Nach etwa 4 Wochen verschwanden diese „Nebenwirkungen“ dann plötzlich, ich hatte wohl meinen „Spiegel“ erreicht. Allerdings traten dann recht schnell Wechselwirkungen mit dem Mittel zum Schlafen ein. Ich wurde beinahe jede Nacht von sehr intensiven Träumen „gequält“, worunter die Schlafqualität wieder deutlich litt.

Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass man so ein bisschen schlechtere Schlafqualität durchaus in Kauf nehmen kann, wenn dafür die Stimmung wieder steigt. Wollte & konnte ich aber nicht. Bis heute ist der Schlaf für mich ein entscheidender Punkt, der für mich mit meinen „seelischen“ Wohl zusammenhängt. Ist der Schlaf nicht in Ordnung, dreht die Kopfkirmes in der Folge gerne mal wieder auf. Von daher habe ich dann -in Absprache mit der Ärztin- das Antidepressivum schnell wieder abgesetzt. Natürlich hätte man auch hier noch weiter mit anderen Präparaten „probieren“ können. Aber diese eine Wechselwirkung hat mir doch deutlich gezeigt, wie sehr solche „Medis“ doch in den eigenen Biorhythmus eingreifen. Das wollte und will ich aber eigentlich nicht. Auch wenn eine medikamentöse Unterstützung durchaus eine „Stütze“ sein kann. Allerdings kommt es für mich persönlich nicht in Frage lange Zeit auf eben diese Stütze angewiesen zu sein. Ist vielleicht auch ein persönliches Ding… Aber ich würde es halt gerne auch ohne diese „Krücke“ schaffen. Auch habe ich während der letzten Behandlung gesehen, dass das „Rumprobieren“ mit verschiedenen Präparaten auch nicht gerade eine Freude ist. Manch ein Mitpatienten ist da ganz schön auf dem Zahnfleisch gegangen.

Alles in allem habe ich dann in der letzten Behandlung jegliche „Medis“ wieder abgesetzt und bin damit aktuell eigentlich recht zufrieden. Bedarfsmedikation fürs Schlafen habe ich noch im Schränkchen, sollte es über längere Zeit gar nicht mehr gehen. Aber ansonsten würde ich mich gerne ohne „Medis“ mit der Kopfkirmes auseinandersetzen wollen. Für mich ist das allerdings auch immer ein schmaler Grat zwischen „Eingriff“ in den persönlichen Biorhythmus und der Notwendigkeit wirklich auf Medis zurückzugreifen. Ausschließen möchte ich für die Zukunft nichts…

Allerdings… Nochmals: Das ist mein Weg. Und muss nicht unbedingt der richtige Weg für jeden sein. Ganz im Gegenteil. Wie schon geschrieben, in wirklich „schweren“ Fällen kann ich durchaus nachvollziehen warum man eine medikamentöse „Begleitung“ haben möchte. Und diese eben auch nutzt, um wieder „in die Spur“ zu kommen. Außerdem hilft es ja wirklich vielen Betroffenen diese Zeit einigermaßen unbeschadet zu überstehen. So schlimm -wie es sich vielleicht auch ein bisschen hier liest- sind solche Präparate also nicht. Man muss halt nur gut abklären was für einen selbst in Frage kommt. Das natürlich nur unter fachlicher Betreuung. Aber scheut Euch auch in dieser Hinsicht nicht, interessierte Frage zu stellen und durchaus offen mit diesem Thema umzugehen.

Bildquelle: pixabay.com

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