Klinik ohne Betten

Heißt es doch so oft auf Webseiten von (Psychotherapeutischen) Tagekliniken. Trifft es den Nagel doch auf den Kopf. Eine Behandlung, die von Morgens bis (meistens) Nachmittags geht und währenddessen man Abends & am Wochenende trotzdem Zuhause sein kann. Ein „Behandlungsmodell“, welches für mich genau richtig war. Ein paar Erfahrungen aus der -wie ich sie gern salopp genannt habe- „Ballerburg“…

Bislang kann ich aus eigener Erfahrung ja nur von der Behandlung in einer Tagesklinik berichten. Stationäre hatte ich noch nicht (Und möchte wohl auch nicht). Genauso wie ambulante Therapien. Allerdings habe ich mit meinen insgesamt drei Behandlungen in Tageskliniken jedes Mal durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Zuerst einmal: Die Form dieser Behandlung war genau richtig für mich. Morgens gegen 08.00 Uhr begann die Behandlung, Nachmittags (meisten so gegen 16.00 Uhr) war der Behandlungstag beendet. Man kann also die Nächte & Wochenenden Zuhause, in gewohnter Umgebung, verbringen. Und genau da liegt für mich der große Vorteil. Ich brauchte einfach meine gewohnte Umgebung, das eigene Bett & die eigene Wohnung um auch mal während der Behandlung abschalten zu können. Gleichzeitig habe ich diese „geregelte“ Alltagsstruktur echt gebraucht. Feste Zeiten, einen festen Behandlungsplan und somit Struktur in (fast) allen Belangen. Habe ich doch meisten vor den Behandlungen eine längere Zeit vorher schon Zuhause „rumgehangen“. Durch diese Struktur, konnte ich auch für die Zeit nach der Klinik einen gewissen Rhythmus mitnehmen. Was mir definitiv geholfen hat.

Natürlich hat mir auch die Behandlung selbst und vor allem auch der Umgang mit den Mitpatienten geholfen. In den meisten Kliniken gibt es s.g. „Kleingruppen“ (In der letzten z.B. 4x ca. 10 Personen), die sich jeden Morgen zu einer „Morgenrunde“ zusammenfinden, dort Dinge aus dem Klinikalltag besprechen, aber auch „Stimmungsrunden“ oder Aktivierungsübungen machen. Zudem gibt es oftmals die Möglichkeit, innerhalb der Kleingruppe gemeinsame Aktivitäten zu planen & durchzuführen ( Gemeinsames Frühstück, Kaffee trinken etc.). So bildet sich relativ schnell, trotz hoher Fluktuation (In der letzten Behandlung gab es kaum eine Woche ohne Neuzugang bzw. Abschied), eine Art von Gruppengefühl. Man kommt dadurch wesentlich schneller an & in Kontakt. Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt. Zudem gibt es für die Kleingruppen jeweils einmal die Woche eine Visite, in der vor allem medizinische Belange besprochen werden.

Die verschiedenen Therapieangebote werden auf & mit dem einzelnen Patienten abgestimmt, die Auswahl reicht von Ergotherapie über Sport/“Achtsamkeitsgruppen“ bis hin zu verschiedenen Gesprächsgruppen. Zusätzlich hat man als Patient min. einmal die Woche bei seinem s.g. Bezugstherapeuten ein Einzelgespräch. Klingt auf den ersten Blick nicht nach „viel“ (Und kann auch je nach Behandlungsplan auch nicht besonders „viel“ sein). Doch ist die Arbeit an sich und seinem Seelenleben verdammt harte Arbeit. Nicht selten sprachen auch die Therapeuten davon, dass ein Tag in der Tagesklinik gleichzusetzen ist mit einem normalen Arbeitstag. Und ja, ich hatte selbst Tage, an denen ich Nachmittags total geschlaucht nach Hause gekommen bin. Denn selbst Gruppen wie die Ergotherapie und/oder Achtsamkeit können durchaus anstrengend sein. Arbeitet man doch ständig mit sich selbst.

Dies geschieht natürlich alle in einem „geschützten Rahmen“. Man hat jeder Zeit die Gelegenheit den Bezugstherapeuten anzusprechen, auch wird in den einzelnen Gruppen ständig auf das eigene Wohlbefinden geachtet. Das habe ich sehr geschätzt und habe gleichzeitig etwas Angst, dass mir dieser „geschützte Rahmen“ in einer ambulanten Behandlung fehlt.

„Regelbehandlungszeit“ (Was ein schlimmes Wort!) sind in den meisten Tageskliniken wohl so 6 bis 8 Wochen. Kommt natürlich immer auf den einzelnen Patienten an, ich selbst war 9 Wochen in Behandlung, es gab aber auch durchaus Patienten, die 11 oder sogar 12 Wochen in Behandlung waren. Haben mir die 9 Wochen denn etwas gebracht und würde ich eine Tagesklinik empfehlen?

„Gebracht“ hat es mir auf jeden Fall etwas. Ich bin in meiner „Problematik“ weiter gekommen, habe von dem Behandlungsteam viele verschiedenen „Gedankenanstöße“ bekommen und konnte mich vor allem mit anderen Betroffenen austauschen. Dies war einer der größten Faktoren für mich persönlich. Daneben hat mich die eigentliche Behandlung deutlich stabiler „für den Alltag“ gemacht.

Eine Empfehlung möchte & kann ich kaum aussprechen. Nicht weil die Behandlung in einer Tagesklinik schlecht ist. Viel mehr muss man da wohl im Vorfeld in sich selbst horchen. Ob diese Form von Behandlung für einen selbst etwas ist. Ob man ggf. den „ganzen Tag“ mit anderen Patienten in Kontakt sein möchte. Ob man sein gewohntes Umfeld braucht oder nicht. Ob man in dieser Zeit eventuell im Beruf „ausfallen“ möchte. Es gibt viele Faktoren, die man im Vorfeld für sich klären sollte. Auf jeden Fall sollte man durchaus auch diese Behandlungsmöglichkeit (Neben Ambulant oder Stationär) ins Auge fassen.

Mir persönlich haben alle drei Behandlungen in der Tagesklinik echt geholfen & gut getan. Auch der „direkte“ Einstieg in eine Tagesklinik war für mich okay. Es kommt halt immer auf den jeweiligen Betroffenen an. Ich würde wohl -im gängigen „Internetslang“- eine Bewertung in Form von, „Immer wieder gern, netter Kontakt, gute Hilfe. Jeder Zeit wieder!“, für die „Ballerburg“ abgeben. ;)

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