Der Weg zur Therapie

Gibt es da überhaupt „den einen Weg“?! Ich denke nicht. So unterschiedlich wie jeder Mensch ist, so verschieden ist auch der „Weg“ in die therapeutische Behandlung. Ich möchte gerne heute mal „meinen“ Weg skizzieren, vielleicht etwas detaillierter als  in der Vorstellung. Aber bitte beachtet: So differenziert wie manch eine Diagnose ist, so unterschiedlich sind auch verschiedenen Hilfs- und Behandlungsangebote. Nicht alles muss für jeden passen…

Der erste Schritt…

…ist häufig wohl die Erkenntnis, dass „irgendetwas“ nicht stimmt. Man bemerkt Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung und/oder im Umgang mit anderen Menschen. Manchmal „braucht“ es auch erst einen gehörigen „Nackenschlag“ vom berühmten Schicksal um aufmerksam zu werden. Bei mir persönlich war es eher der „Nackenschlag“, der mir gesagt hat dass irgendetwas ganz & gar nicht stimmt (mit mir).

Dieser „Nackenschlag“ kam bei mir in Form einer Trennung. Ich war eine längere Zeit mit meiner damaligen Partnerin zusammen, wir haben beide eine nette Altbauwohnung im Leipzig bewohnt. Sie war damals noch im Studium, stand aber kurz vor ihrem Abschluss. Ich hingegen habe mich nach der Bundeswehr ziemlich hängen lassen, habe nie wirklich etwas auf die Beine gestellt bekommen und hab das -rückblickend- wohl auch nach außen hin kommuniziert. Vor allem habe ich aber die Beziehung damit sehr belastet, so dass es kommen musste wie zu erwarten. Sie trennte sich nach mehreren „Rettungsversuchen“ und großen Streitigkeiten von „heute auf morgen“ von mir.

Bitte beachten: Trigger! Eventuelle Suizidalität!
Die Trennung erfolge, wie gesagt, recht „unvermittelt“ von ihr, wobei man im Rückblick natürlich schon viel früher Anzeichen von Distanzierung erkennen hätte erkennen können. Auf jeden Fall gab es an diesem Abend einen sehr heftigen Streit (Auch hier im Rückblick: Weil ich Dinge, die gesagt worden sind, wahrscheinlich völlig überbewertet habe), den ich völlig eskalieren habe lassen. Konkret habe ich die Hand gegen sie erhoben. Anschließend, wahrscheinlich so sehr schockiert über mein eigenes Fehlverhalten, habe ich mir versucht mit einem Messer die Ader am Handgelenk aufzuschneiden. Es folge ein Potpourri aus einer Fahrt mit dem Rettungswagen, einem Eingriff in der Notaufnahme und einem mehrtägigen Aufenthalt im Krankenhaus. Ich weiß nicht genau wann in diesen paar Tagen… Ob jetzt schon auf der Fahrt ins Krankenhaus oder bei der Frage des Arzt, ob ich eine bewusste suizidale Handlung vorgenommen hätte (Die Frage einer Einweisung stand im Raum!)… Zumindest war das der Zeitpunkt, an dem ich festgestellt habe dass etwas mit mir ganz und gar nicht „stimmt“. Sozusagen „der große Knall“ in meinem Leben.

Zusatz: Nach vielen Jahren, langem Grübeln über diese Tage bin ich mir ziemlich sicher, dass ich damals nicht wirklich ein „konkretes Ziel“ hatte. Viel mehr war diese „Aktion“ geprägt von dem Schock und sicherlich auch zum Teil eine Art Hilfeschrei meines Seelenlebens. Über die Jahre habe ich gelernt mit Gedanken in dieser Art umzugehen und rechtzeitig die „Notbremse“ zu ziehen. Ich würde lügen wenn ich völlig weg von diesen Gedanken bin. Aber zumindest recht stabil bin ich momentan.

Die Streitigkeiten und darauf folgenden Tage haben mich sehr zum Nachdenken gebracht. Zwar konnte ich konkret nicht greifen, was genau nicht mit mir stimmt, doch hat sich -rückblickend- viel in diesen Tagen bewegt. Ich zog anschließend recht schnell nach der Trennung wieder zurück in die Heimat, vorläufig damals sogar wieder ins Elternhaus. Und habe noch deutlich unter dem Einfluss des Erlebten gestanden. Mir ging es zu dieser Zeit ganz & gar nicht gut. Habe mich mehr & mehr eingekapselt, mich sogar von nahen Familienmitgliedern distanziert, mich völlig in meiner Persönlichkeit verändert und habe das wohl auch ganz offensichtlich nach außen hin transportiert. So sehr, dass meine damalige Hausärztin neben den ganzen medizinischen Dingen, auch mein Seelenleben ansprach. Und mir dringend eine therapeutische Behandlung empfahl. Nach recht schneller Ernüchterung eine ambulante Therapie zu finden, bin ich auf die Möglichkeit der Teilstationären Behandlung gestoßen. Die klang im ersten Augenblick zwar etwas verstörend und recht kompliziert, im Nachgang war es aber genau die richtige Entscheidung (für mich) direkt in eine Tagesklinik zu gehen. 

Die erste Behandlung

Natürlich wird man im ersten Moment ein wenig „ins kalte Wasser“ geworfen. Wer noch nie in seinem Leben etwas mit Psychologen & Psychotherapie zu tun gehabt hat, kann schon mal etwas respektvoll (und vielleicht auch ein bisschen verstört) auf die kommende Behandlung blicken. Ging mir damals nicht anders. Sicherlich muss man sich auf auf gewisser Weise darauf einlassen können. Ich selbst habe damals wohl recht pragmatisch gedacht, dass es nicht mehr schlimmer werden kann. Also warum sollte ich mich der Behandlung nicht stellen?! Rückblickend bin ich für meinen Pragmatismus & meiner Hausärztin echt dankbar. Hat er/sie mir doch ein riesiges Tor zu mir selbst geöffnet. Und mir einen Weg für die Jahre danach aufgezeigt, mich meinen „Problemen“ zu stellen.

Nehmt Angebote in Anspruch

Natürlich muss, wie Eingangs schon erwähnt, dieser Weg nicht für alle der richtige sein. Aber auf einen Punkt kann man dieses Geschichte herunterbrechen: Nehmt Hilfsangebote in Anspruch! Egal woher sie kommen… Ob aus der Familie, vom Hausarzt, einem Facharzt, dem Netz oder „unabhängigen“ Beratungsstellen. Und scheut Euch nicht davor, frühzeitig auf Eure Situation aufmerksam zu machen. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Doch lass es nicht erst „eskalieren“. Frag an entsprechenden Stellen nach, lasst aber genauso Fragen zu (Mir hat das damals echt gut getan!). Gebt nicht auf, wenn es mal Rückschläge oder vermeidliche „gute Ratschläge“ gibt. Ihr kennt Euch und Eure „Kopfkirmes“ am besten und seid der Steuermann Eures eigenen Schiff. Ihr solltet dieses „Schiff“ nur in ruhiges Fahrwasser steuern, bei der „Einfahrt in den Hafen“ helfen Euch gerne auch andere Menschen…

Fühlt ihr Euch schlecht, bemerkt ihr Veränderungen an Eurer Persönlichkeit, braucht ihr einen „Steuermann“ für die Einfahrt in den Hafen?! Die Telefonseelsorge kann in Krisensituationen ein guter Ansprechpartner sein – 0800 111 0 111

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