Beruf(ung) Fahrlehrer

Zugegeben, kein sehr origineller Titel…

Und damit herzlich Willkommen im neuen Themenbereich.
Beruf oder Berufung? Spaß oder Stress? Traum oder Albtraum?

flauto

All das will ich in nächster Zeit hier beantworten. Oder vielleicht auch -aus ganz persönlicher Sichtweise- darauf eingehen. Ob es ein Leitfaden/Ratgeber zum Beruf Fahrlehrer werden soll?! Ich denke eher nicht. Viel mehr ein Erfahrungsbericht aus dem alltäglichen Leben. Und zwar in meiner ganz eigenen Mundart…

Zuerst einmal…Räumt bitte alle Klischees aus dem Kopp raus. Fahrlehrer lassen sich den ganzen Tag nur durch die Gegend fahren, verdienen eine Schweinekohle und sitzen mit Sonnenbrille im Auto und gaffen Frauen nach. Ja nee, iss klar! Und Bademeister haben an jedem Finger fünf Frauen! Vergesst solche dummen Vorurteile. Der Job als Fahrlehrer ist wesentlich mehr als das etwas ganz anderes. Der berufliche wie auch emotionale Stress, die „flexiblen“ Arbeitszeiten, die nicht zu unterschätzende Verantwortung und die mangelnde Anerkennung. All das steht auf der Kehrseite der Medaille. Auf der glänzenden Seite selbiger, steht dafür eine Menge Spaß, der Kontakt zu Menschen, die Gewissheit diesen Menschen etwas beizubringen und die Abwechslung an jedem neuen Tag. Mir macht der Job auf jeden Fall Spaß. Nicht zuletzt wegen der guten Voraussetzungen. Guter Arbeitgeber, gutes Arbeitsklima, angenehme Kundschaft und -bislang- noch keine größeren Katastrophen. Alles im grünen Bereich also.

Was mich z.Z. ein bisschen annervt, sind die doch sehr  „flexiblen“  Arbeitszeiten, die dauernde Fahrerei zum Arbeitsort und die -stellenweise- Unzuverlässigkeit manch eines Kunden. Alles Dinge, an die man sich mehr oder minder irgendwann gewöhnt…Hoffe ich. Denn das lässt mir die meisten grauen Haare wachsen. Zwar könnte man meinen, dass die Ausbildung der Fahrschüler an sich das anstrengendste in diesem Beruf sei…Aber wer, wie ich, mit einer gesunden und positiven Einstellung an das Ding ran geht, der ist auf der sicheren Seite. Nichts verstehe ich weniger, als wenn ein Kollege die Voraussetzungen bei den Kunden falsch setzt. Warum kommen wohl Menschen in eine Fahrschule?! Richtig…Um das Auto fahren zu lernen (!). Und nicht um ihr Können zu perfektionieren. Die meisten Fahrschüler -das muss man einfach so sagen- sind nun mal nicht mit einem Lenkrad in der Hand auf die Welt gekommen. Sie wollen etwas erlernen, was sie in ihrem Leben bislang noch nie erlebt haben. Ich vergleiche das immer gerne mit dem Fahrradfahren. Auch dies musste man erst mehr oder weniger mühselig erlernen. Meister fallen nur in äußerst seltenen Fällen vom Himmel. Genauso ist es eben auch in der Fahrschule. Von daher….Es hat wenig mit Geduld oder starken Nerven zu tun. Viel mehr damit, dass man als Fahrlehrer eben häufig „bei Null“ anfangen muss. Genau das ist unser Job. Und das sollte auch jedem klar sein, der in diesem Job arbeitet. Natürlich…Wie in jedem Job, gibt es auch als Fahrlehrer mal „nervige“ Tage. Aber auch da kommt wieder eine gesunde Einstellung zum Tragen. Diese Tage gehen auch vorbei. Und genauso wie ich von meinen Fahrschülern eine gesunde  Selbstreflexion  verlange, so kann ich das auch von mir selbst verlangen. Vielleicht liegt es ja gar nicht an den Kunden, vielleicht liegt es ja an dem Menschen, der in einer Fahrstunde rechts auf dem Beifahrersitz sitzt?! Nur mal so als Gedankenanstoss…

Ich glaube, dass ist häufig das Problem, warum so viele, so negativ über diesen Beruf sprechen. Weil man Dinge einfach laufen lässt und nicht genügend darüber nachdenkt. Und daraus resultieren dann „negative“ Einstellungen zum Job und zur Tätigkeit selbst. Was sich beim Ausbilden einer Fähigkeit natürlich auch auf die Auszubildenden niederschlägt. Gewagte These…Aber vielleicht kommt es ja hin. Schlechter Fahrlehrer – Schlechter Fahrschüler?! Wer weiß, wer weiß…

Ich für meinen Teil denke momentan noch relativ viel über mich und meine Möglichkeiten nach. Klar, ich bin ja auch noch nicht allzu lange dabei. Und es wäre schlimm, wenn ich jetzt schon alles so hinnehmen würde wie es kommt. Zugegeben, manchmal würde ich es am liebsten. Den leichtesten Weg wählen. „Wie…Watt?! Wenn Du es nicht verstehst wie ich es erkläre, dann haste halt Pech gehabt. Machen wir halt noch 200 Übungsstunden. Bis Du es verstanden hast!“ – Wäre sehr einfach und lukrativ. Aber nicht besonders besonnen. Dem Kunden gegenüber und auch mir selbst. Es ist in diesem Beruf ein ständiges „Arbeiten an sich selbst“. Zum Glück gibt es als Fahrlehrer keine Monotonie. Jeder -und wirklich jeder!- Kunde ist anders. Man muss sich also tagtäglich „anpassen“ und flexibel auf Situationen und auch auf Menschen reagieren. Am Anfang ein hartes Stück Arbeit, aber es wird ja auch belohnt. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Und genau das möchte ich mir als Ziel setzen. Die gute und erfolgreiche Ausbildung der Schüler. Und wenn mir das mal nicht gelingt, dann muss ich eben reflektieren und an mir arbeiten. Genauso wie ich an und mit dem Schüler dann dran arbeite.

Das fällt am Anfang ziemlich schwer. Und schlaucht ganz schön. Da kommen wir wieder zu den Vorurteilen bezüglich des Jobs zurück. Fahrlehrer ein leichter Job?! Das ich nicht lache. Zwar ziehen wir keine Mauern hoch oder schleppen Baumaschinen durch die Gegend, dafür läuft der Kopf den ganzen Tag auf Hochtouren. Ausbilden, aufpassen, aufarbeiten…Danach ist man dann mächtig fertig. Hoffentlich gibt sich das auch mit der Zeit. Denn momentan kann ich gar nicht so viel schlafen wie ich eigentlich möchte. Und Schlafmangel zerrt bekanntlich an den nerven. An meinen freien Tagen bin ich zur Zeit nur schlecht zu genießen…

Aber…Ich bin guter Dinge, dass sich das ganze mit der Zeit selbst einpegelt. „Ups & Downs“ hat man in jedem Job. genauso wie jeder Job eine gewisse Eingewöhnungszeit braucht. Bin aber auch gutem Wege. Denn es wird mehr und mehr eine Berufung als ein schlichter Beruf…

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.