Innenspiegel…Außenspiegel…Schulterblick…

Über den alltäglichen Wahnsinn auf deutschen Straßen.
Oder auch: Ich will Spaß! Ich geb Gas!1

F A H R S C H U L E...Steht zumindest auf meinem Auto. Ganz fett drauf geklebt. Jetzt frage ich mich ernsthaft, wie dann andere Verkehrsteilnehmer übersehen können, dass da grad ein Fahrschüler unterwegs ist?! Außerdem ist ja nicht so, dass wir uns irgendwo in den Gullies verstecken. Warum also dann immer diese nervösen (und teilweise) Überholmanöver? Und warum wird die Hupe benutzt, um mit mir zu kommunizieren?! Alle den Führerschein bei ebay gekauft oder schon vergessen, das man irgendwann mal (hoffentlich) selbst eine Fahrschule von innen gesehen hat?! Aber aufregen nutzt da ja nix…Weiterfahren und tief durchatmen…

Denn es ist erstaunlich, wie locker selbst die Fahrschüler damit umgehen. Mit den ganzen „Chaoten“ auf den Straßen. Nicht umsonst nenne ich die Fahrradfahrer auch liebevoll „Fahrradterroristen“. Ja, ja….In einer der Fahrradfreundlichsten Städte NRWs sind die Fahrradfahrer natürlich eine besonders schützenswerte Spezie. Aber trotzdem sollte man als Fahrradfahrer vielleicht mal den Kopf einschalten (wenn man schon kein Helm auf selbigen trägt) und drüber nachdenken, dass man quasi Null Knautschzone hat. Warum also wie der letzte Henker fahren, Autos an Kreuzungen schneiden, ohne anzuzeigen wild die Spur/Fahrtrichtung wechseln?! Immer wieder ein Erlebnis…Besonders jetzt im Sommer. Umso stolzer bin ich, wie schnell meine Fahrschüler begreifen, wie wichtig die Umsicht ums Auto ist. Nicht nur beim Abbiegen. Erfahrungsgemäß sind viele Dinge gleichzeitig schwer zu händeln. Gerade wenn man das erste Mal in seinem Leben in einem Auto sitzt und selbiges auch noch eigenständig durch den Verkehr manövrieren soll. Und trotzdem klappt die Umsicht bei den meisten Schülern gleich zu Beginn. Großartig! Natürlich liegt das auch an meiner grandiosen Vorarbeit im theoretischen Teil der Ausbildung. ;)

Ansonsten läuft fährt es in den letzten Wochen richtig gut. Ich habe ja letztens noch aufgrund der Unzuverlässigkeit einiger Fahrschüler „geheult“. Auch da habe ich inzwischen ein adäquates Mittel gefunden. Eins, dass mir das Leben ungemein leichter macht. Denn zu einem vorgezogenen Feierabend, sag ich bestimmt nicht Nein. Genauso habe ich mein Zeitmanagement jetzt endlich mal in den Griff bekommen. Kaum noch Leerzeiten durch meine doofe Planung. Jetzt gehts Schlag auf Schlag. „Warmer Bettenwechsel“ nannte man es bei der Bundeswehr. Ein Fahrschüler steigt aus, der nächste wartet schon. Anstrengender2, aber wesentlich effektiver. Und gerade jetzt im Sommer, wo man teilweise bis tief in die Nacht wegen den Beleuchtungsfahrten arbeiten muss, ist man um jede Stunde froh, die man am nächsten Tag später ran muss. Das war eben auch nur eine Frage der Zeit, bis es sich einspielt.

Viel mehr kann ich gar nicht berichten. Zwar gibt es immer wieder die ein oder andere kuriosen Situation, aber ich muss erst noch überlegen, ob so etwas hier Platz finden soll. der Rest ist -so traurig wie es klingen mag- eigentlich das tägliche Brot eines Fahrlehrers. Individualität der Fahrschüler hin oder her…Im Grunde ist der Ablauf ja immer der gleiche. Wenngleich man sich natürlich auf jeden einzelnen Schüler einstellen muss, die Abläufe und Ausbildungspläne3 sind immer dieselben. Das ist ok, wenn auch irgendwann natürlich eine Art von Routine einzieht. Und Routine hat immer seine Vor- und Nachteile. Ob die Vorteile auf Dauer überwiegen…Wird auch wieder die Zeit zeigen. Momentan bin ich ganz froh drum. Denn wenn ich ich mir so meinen Stundenzettel anschaue, bin ich gerade am oberen Limit angelangt. Mehr kann und will ich z.Z. nicht machen. Auch wenn uns an manchen Tagen die Schüler förmlich die Bude einrennen. Aber irgendwo muss man ja auch für sich selbst die Bremse ziehen. Es nützt niemanden, wenn ich im Winter völlig ausgebrannt bin.

So long…Damit verabschiede ich mich dann mal in eine neue Woche voller spannenden Geschichten aus dem Fahrschulalltag. Und ganz nebenbei…Von einem langen Wochenende gleich ins nächste… ;)

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  1. frei nach „Markus“ []
  2. Wenn man nicht mal 10 Minuten zwischen den Fahrstunden zum Durchatmen hat []
  3. Wie sehr ich sie doch liebe… []

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