Die Ware Mensch…

Kaum ein Thema beschäftigt die Sportwelt momentan mehr als bestätigte wie auch unbestätigte Wechsel von Bundesligaspielern zum FC Bayern München. Ganz arg davon betroffen: Der BVB. Ein Spieler geht definitiv, ein zweiter steht wohl ganz oben auf der Einkaufsliste der Münchener. Und obwohl ich die Tage noch etwas anderes schrub, so frage ich mich dann doch inzwischen: Ist das alles noch gerechtfertigt?!

Wer weiß schon, was für Verträge in den „Hinterzimmern“ der ganzen Clubs und Berater aufgesetzt werden?! Scheinbar hat man in diesen Tagen als Spielberater eine Menge zu tun. Erst der „Götze-Deal“ und jetzt stehen sowohl Berater von Heynkes als auch von Lewandowski im Fokus der Berichterstattung. Mit teilweise völlig verschiedenen Aussagen.

Natürlich gehört zu dieser Berichterstattung auch eine Menge Säbelrasseln dazu. Bestes Beispiel: Die Bekanntgabe des Götze Transfer. BAMM…Einfach mal einen Tag vor einem enorm wichtigen Spiel. Und das obwohl ja offenbar Stillschweigen bis min. zum Ende der Saison vereinbart war. Aber so ist nun mal das Geschäft mit den Schlagzeilen. Wirklich etwas geändert hat es am Spiel der Borussen bekanntlich nicht. Und trotzdem ging genau da die Diskussion über die Einkaufspolitik mancher Clubs (hier: FC Bayern München). Obwohl…Eigentlich ging es schon mit der Verpflichtung von Pep Guardiola los. Hammertrainer zum Hammerverein. So oder so ähnlich. Und auch dort stellte sich die Frage: Ist das noch ein „normaler“ Transfer oder kauft sich da ein Club einfach mal mit einen der besten Trainer um seine Konkurrenz in Europa in gewisser Weise zu schwächen?!  Was hat einen Guardiola veranlasst nach München zu gehen? Sicherlich nicht nur das nette Sauffest auf den Wiesn. Da spielte Geld ganz bestimmt eine nicht unerhebliche Rolle. Und vielleicht auch „die Ehre“ bei einem Top-Club in Europa zu arbeiten.

Doch wirft das (und die Verpflichtung diverser Topspieler) die Frage auf: Was will der FC damit erreichen?! Wollen die sich -mit massiven Geldeinsatz- ein Denkmal in Fleischform bauen? Topspieler aus allen Ecken der Welt zusammen karren, nur damit man wenigstens eine Saison lang ein verdammt ansehnliches (und teures) Mannschaftsfoto hat? Oder steckt da doch mehr Kalkül hinter?! Will sich die Führungsspitze in München etwa ein „Bollwerk“ aufbauen und sich somit „lästige“ Konkurrente vom Leib halten?! Man weiß es nicht…Dazu sitzt man als Fan leider viel zu selten in irgendwelchen Aufsichtsratssitzungen. Aber der Eindruck bleibt trotzdem der selbe. Man kauft massiv ein, um die anderen Mannschaften zu schwächen. Und „seine“ Position in der Bundesliga und anderen Wettbewerben zu festigen. Hossa…Da ist ja gar nicht so unähnlich zu anderen Ländern. Bloß sitzen da irgendwelche Ölscheichs oder russische Oligarchen mit im Aufsichtsrat1. Selbes Spiel, andere Gesichter eben…

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich gönne dem FC Bayern München seinen wirtschaftlichen Erfolg. Als Anhänger des BVB freue ich mich natürlich auch über die zusätzlichen Einnahmen aus CL, Verkäufen und Merchandising. Geld ist gut, Geld macht unbeschwerter, Geld lässt den Verein erblühen. Ein bisschen wenigsten. Was mich aber stört, wenn sich ein Verein mit diesem Geld eine Trutzburg aufbaut, sich „auf der Rakete Finanzen“ nach oben katapultiert und mit allen Mitteln dort oben bleiben will. Es geht schließlich immer noch um Sport. Auch wenn der Sport inzwischen mehr und mehr eine Industrie ist. Doch einen Abstand mit eingekauften Topspielern zu gewinnen, dass ist weit weg von sportlich.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Den Spielern selbst. Natürlich sind Transfers üblich. Und natürlich bringt sportlicher Erfolg eines Vereins auch Topspieler hervor. Und ganz bestimmt sind diese Topspieler dann auch heiß begehrt. Gar keine Frage. Aber stellt sich doch die Frage: Sind diese „Topspieler“noch Herr ihrer Sinne?! Warum wird ein Mario Götze -der grad mal 20 (!) ist- auf ein angebliche Jahresgehalt von 12 Millionen Euro „gepusht“? Und warum zum Teufel stehen in den Verträgen astronomischen „Ablösesummen“ von 37 Millionen Euro?! Klar…Wirtschaftlichkeit. Ein Verein will mit seiner „Ware“ natürlich Geld verdienen. Doch ist das für ein „Stück Mensch“, der -zugegeben- herausragenden Fußball spielt, nicht ein bisschen viel?! Und wie wirken sich solche Summen auf den Spieler selbst aus?! Also ich persönlich würde gerne mal auf den Platz gehen mit der Gewissheit 37 Millionen Euro wert zu sein. Der kleine Herr Götze ganz groß! Da kann man bei Verhandlungen durchaus auch schon mal 12 Millionen Jahresgehalt fordern. Man ist ja schließlich sein Geld wert. Und der FC Bayern München hat es ja offensichtlich auch2. Trotzdem -oder gerade deswegen- möchte ich den Spielern an der aktuellen Situation3 auch den Spielern eine Mitschuld geben. Ganz unabhängig davon, dass auch Deutschland endlich wieder „Fußballwunderkinder“ hervor bringt…Man sollte als Mensch und Spieler vielleicht doch ein bisschen auf dem Teppich bleiben. Sich vielleicht mal ein bisschen selbst auf den Boden zurück holen und den Fußball ein Spiel sein lassen4. Denn es geh um sportliche Erfolge. Und nicht um die Erfolge in der eigenen Brieftasche.  Auch -und gerade- nicht für einen 20jährigen Bengel, der wahrscheinlich noch voll im Wachstum ist und noch gar nicht weiß, was mit so viel Kohle anzustellen ist5.

Fazit dieses ganzen Theaters?!
Für mich als Fan bleibt ein ganz böser Beigeschmack. Ich bin mir bewusst, dass „Topspieler“ irgendwann mal den (eigenen) Verein verlassen. Da draußen in der Fußballwelt gibt es immer ein Verein der mehr Geld, mehr Prestige und mehr Selbstbewusstsein bietet. Aber ich finde es traurig, dass die -vermeintlich- ehrliche Bundesliga sich so langsam genau in diese Richtung entwickelt. Eine riesige Gelddruckmaschine, die Menschen nur noch als Ware und Kapital sieht. Vielleicht sollte man sich als Fan von einem „Pöhler-Verein“langsam aber sicher von den bodenständigen Eigenschaften verabschieden. Und ähnlich wie in München nur noch Champus & Kaviar auf den Rängen servieren. Darüber hinaus vergisst man dann vielleicht, dass es um Fußball geht und nicht darum, wer den größten Geldhaufen scheißen kann.

Traurig, traurig, traurig…

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  1. Oder eben -wie aktuellen Fall- irgendwelche Börsenspekulanten… []
  2. Auch wenn es womöglich aus der Schweiz kommt… []
  3. Bayern kauft alles auf was gefährlich werden kann… []
  4. Und sich vielleicht ganz astig einfach mal den Namen der Heimatstadt auf die Haut tätowieren lassen… []
  5. Sorry Mario…Aber das ist so ein wenig die Quintessenz daraus… []

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