Unsere Mütter, unsere Väter – Geschichte im Filmformat

Ein deutscher Fernsehfilm. In drei Teilen. Dabei dachte ich, seit „Der große Bellheim“ kann da gar nix großartiges mehr kommen. So kann man sich täuschen. „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt, dass es auch 2013 noch geht. Und das ganz ohne „große“ Gesichter.

Weltkriegs-Epos in drei Teilen. Da klang im Vorfeld nach schwulstiger Story, einer Liebesgeschichte und Veronica Ferres. Alles das war es nicht. Zum Glück. Ganz im Gegenteil…Es wurde wohl bewusst auf die großen Namen verzichtet, es wurde keine hanebüchene Geschichte gestrickt und es wurde nicht mit überzogenen Pathos um sich geschmissen. Es wurde mal ein bisschen in der deutschen Geschichte gewühlt. Die hässliche Fratze des Krieges aus Sicht von deutschen Beteiligten. Sowohl in der Armee als auch in der Zivilbevölkerung. Yeah…Endlich wagt sich mal auch an diese Sichtweise. Weit weg von „Die Deutschen sind alle die Bösen!“. Und trotzdem wurde hier nix verherrlicht, nicht geschönt und nix in bunten Filmaufnahmen verpackt.

Der erste Teil startet sogleich auch wie ein -deutscher- Abklatsch von „Band of Brothers“ und ähnlichen amerikanischen Patriotismus-Schleudern. Hat mich die ersten 5 Minuten etwas erschrocken. Zum Glück zogen sich diese Momenten nicht gänzlich durch den Film. Es wurde -für eine deutsche Produktion- zwar relativ viel und laut geschossen, aber eher als Stilmittel denn als „Hollywood-Effekthascherei“. Krieg ohne Gewehrpatronen geht halt eben schlecht. Genauso wenig wie Krieg ohne den (anfänglichen) Glauben an den „großen Sieg“ geht. Hier sehe ich eine Stärke von „Unsere Mütter, unsere Väter“. Zeigt der Dreiteiler doch im Verlauf wie sehr ein menschlicher Verstand unter Krieg & Gewalt zerfällt. Große Schauspielerische Leistung von Tom Schilling & Volker Bruch als die Winter-Brüder. Zeitweise hatte ich bei in diesen Momenten einen Kloß im Hals.

„Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt wie schwierig es war, sich im Krieg mit dem Krieg zu beschäftigen. Sich nicht vom Regime „gleichschalten“ zu lassen. An sich selbst und an dem Zweck des Krieges zu zweifeln. Und damit umzugehen. Entweder als „Vaterlandsverräter“ oder eben als abgestumpfte Kriegsmaschinerie welche nur noch Befehle ausführt. Seien sie noch so grauenvoll. Und genau das hat der Film eindringlich gezeigt. Was für „beschissene“ Dinge so „im großen Krieg“ alles passiert sind. Hier vorzuheben sei Ludwig Trepte als Viktor Goldstein. Ein junger, jüdischer Mann der erst sehr spät erkennt was das Regime mit seinem Volk vorhat. Aber dann mit voller Wucht. Der „heroische“ Kampf in der Partisanengruppe in Teil 2 & 3 war mir persönlich zwar ein bisschen dick aufgetragen,  aber durchaus glaubhaft gestaltet und erzählt. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern ganz anderen Verfolgern in die Hände fallen.

Und dann waren da ja auch noch die zahlreichen deutschen Frauen im Krieg. Nicht nur die „Trümmerfrauen“, auch die Frauen die mehr oder weniger direkt am Krieg beteiligt waren. Miriam Stein als Charlotte. Eine Krankenschwester in einem Front-Lazarett. Ständig hin- und hergerissen zwischen dem „Helfen“ und der „Verzweiflung“. Dem Glauben an das Gute und der grässlichen Fratze des Krieges. Und schließlich sogar dem Verrat und später dann der Hilflosigkeit als der Feind anrückt. Eindringlich…Sehr eindringlich. Manch einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich solchen Frauen einen gewissen Respekt entgegengebracht habe. Und wie froh ich bin, einer Generation anzugehören, die mal so gar nix mit dem Krieg zu tun hat. Das ist übrigens ein weiteres -sehr starkes- Gefühl welches der Film vermittelt. dazu aber später mehr.

Krieg ist grausam. Keine Frage. Aber das der Krieg sogar im Heimatland grausam sein kann, zeigt die Rolle von Katharina Schüttler als Greta. Dem Starlet welches -mit Hilfe des Regimes- groß werden will. Und dann doch ganz unten landet. Eingesperrt, vergessen, ermordet. Ein arg verstörender Erzählstrang. Vielleicht auch wegen dem aalglatten Gestapomann den es so ja offensichtlich damals nicht selten gab. Opportunisten, die nach dem Krieg fast gänzlich unbehelligt weiter lebten und arbeiteten. Und das nur, weil sie im Krieg das eigene Volk wussten auszunutzen. Und das Volk sich möglicherweise ausnutzen ließ?! Das ist ein der wenigen Fragen, die der Film offen lässt. Ansonsten ist eigentlich alles relativ stimmig. Auch wenn ich die „zufälligen“ Begegnungen im großen Krieg für etwas unrealistisch halte, so trägt dies doch sehr zu Story bei. Denn was der Film -vielleicht gar nicht vordergründig will- dabei erreicht, er klärt auf. Er zeigt ein fast gänzlich unverfälschtes Bild des „großen Krieges“. Nicht nur auf den Schlachtfeldern. Nicht nur aus Sicht der „Befreier“ und „Sieger“. Nicht mit pathetischen Bildern und Aussagen. Nein. In den Gesichtern und Köpfen der Protagonisten. Hier hat „Unsere Mütter, unsere Väter“ absolut gepunktet. Gerade bei mir. Der in einer Generation aufwächst, in der Zeitzeugen -so bitter wie es klingt- wegsterben. So sehr ich auch kein Freund von „Vergangenheitsbewältigung“ und „Schuldfrage“ bin. So sehr bin ich der Meinung, dass so etwas nicht einfach vergessen werden darf. „Unsere Mütter, unsere Väter“ trägt auf seine ganz eigenen Weise dazu bei. In Form von -nachdenklicher- Unterhaltung im Fernsehen. Weit weg von Dokumentationen im Schlage eines „Guido Knopps“. Und gerade mit diesem Medium erreicht man heutzutage ja die Köpfe.

Somit ist ein ganz sicher: Der Film ist absolut sehenswert. Und sei es nur deswegen, um mal über diese -vergangene- Zeit nachzudenken. Sich vielleicht auch nur einen Moment in die Menschen hineinzuversetzen, die diesen verschissenen Krieg am eigenen Leib erlebt haben. Und darüber mal zu reflektieren, wie gut es uns heutzutage doch eigentlich geht.

Eins ist sicher, die DVD/BlueRay-Box wandert definitiv in mein Regal. Und ich denke, ich werde diesen Film auch in Zukunft mit der gleichen Mischung aus Nachdenklichkeit, Scham, Trauer und Empathie schauen. Und somit die „Generation Krieg“ ein bisschen besser verstehen. Schade nur, dass genau dieses Gefühl immer mehr verblast.

 

Unser Mütter, unsere Väter auf zdf.de (inklusive Link zur Mediathek)  

 

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