Wenn mal wieder ein #Aufschrei durchs Netz geht…

…verpufft dieser #Aufschrei so schnell wie er gekommen ist. Im konkreten Fall geht es um die Brüderle-Diskussion und den Umgang von Frauen mit „Anmache“. Nein…Eigentlich geht es hier um diese typische Pseudo-Moral, die im Netz schneller raus geblasen wird als eine Kontaktanzeige auf einer Singlebörse.


Mein Gott…Was hat das Netz doch für eine Macht. Da werden ganze Staatsoberhäupter gestürzt, Kinderficker aufgrund von Fahndungsaufrufen bei Facebook gefasst oder Katzen zu Superstars. Und dann kam da dieser Donnerstag, an dem eine Reporterin über ein Erlebnis mit unserem FDP-Buddy Brüderle berichtete. Man sah sich irgendwann, irgendwo an einer deutschen Bar, warf sich gegenseitig Blicke zu und kassierte -als Reporterin- einen flapsigen Spruch vom Herrn Brüderle. So viel zu den -möglichen- Fakten…

Was dann allerdings einen Tag später abging, entbehrt für mich aber jeglicher Grundlage. Da hat irgendwer, irgendwo gedacht man könne doch den Kurznachrichtendienst Twitter mal für etwas „sinnvolles“ nutzen. Schnell einen „Hashtag“ ausgedacht -möglichst populistisch natürlich- und ab dafür. #Aufschrei wurde geboren. Und die Masse zog mit. Wir erzählen also bei Twitter (!) über unsere Erfahrungen mit dem alltäglichen Sexismus und der (zumeist) bösen Männerwelt. Und garnieren das ganze noch mit ein bisschen Moral und erhobenen Zeigefinger. Bei Twitter.

Ich liebe die Generation 2.0!

Versteht mich bitte nicht falsch, Sexiusmus ist sogar für mich ein Thema. Auch wenn ich mit meiner Meinung, dass die Wertschätzung gewisser Körperteile einer Frau durchaus als positiver Zuspruch zu werten ist, wohl ziemlich alleine auf Feld & Flur stehe…Auch für mich gibt es Grenzen im Umgang miteinander. Sogar im Umgang mit Frauen. Aber die Sau (oder in diesem Fall den Eber) durchs -digitale- Dorf zu treiben, spiegelt bloß ein weiteres Mal den Niedergang der Gesellschaft wieder. Da werden Geschichten raus gekramt, die so ein schlecht bezahlter Drehbuchautor von amerikanischen Soaps nicht besser schreiben könnte. Und jede noch so taffe Frau hat was dazu beizutragen. Reduzieren wir (bzw. die Damen selbst) das „schwache“ Geschlecht doch nur mal wieder auf Brüste & Ärsche. Denn genau das ist daraus geworden. Man verfällt in die moralische Schockstarre und hofft mit einer vermeidlich aufrüttelnder Aktion etwas in den Köpfen (oder Penissen) der Männerwelt zu ändern. Glückwunsch liebe Frauen…Wir leben also doch nicht im Jahr 2013 sonder wahrscheinlich eher im Jahr 1953. Selbstbestimmung…Was ist das?!

Das ist der erste Punkt der mich ziemlich angepisst hat…

Was aber viel schlimmer ist, dass (mal wieder) die Pseudo-Moral aus allen Porren gekrochen kam. Und schlussendlich auch die Wahl des Mittels. Da wurde auf Twitter (!) die Moralkeule geschwungen…Auf einem Medium auf dem 90% der Beteiligten nur ein paar Stunden später das Finale im australischen Dschungel schauten und dieses mit ähnlich ekelhaften Hashtags verzierten. Auf diesem Medium, welches voller Alltagsrassismus ist, auf dem aus Sternchen „Stars“ werden, auf einem Medium wo jeder halbwegs komischer Mensch scheinbar ein Buch schreiben muss. Auf Twitter. Zugegeben, einige haben den Sprung geschafft und haben gekonnt Artikel/Meinungen in Form von Blogpost verfasst. Ein winziger Bruchteil vermag sich sogar in Zukunft mit dem Thema beschäftigen. So ganz „offline“ und in würdevollen Rahmen. Aber das ist in der Masse untergegangen. In der Masse voller Schreihälsen und Menschen die einfach nur mal mitspielen wollten. Und dabei jeden anderen an die Nase/den Penis/die Brüste gefasst haben, nur sich selbst nicht. Gestandene Damen, braun gebrannt und schon voll in Planung für den nächsten „Dom-Rep“ Urlaub -in dem sie große, dunkelhäutige BungaBungaBoys suchen- erzählen uns also von ihren Erlebnissen anno 1960 mit ihrem greisen Sportlehrer. Oder die Mädchen, die grad mal alt genug sind um die Pille zu bekommen aber jeden Abend schmachtend auf irgendwelche Pseuo-Vampire ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen…Erzählen uns von den Typen mit den Tanktops und ausrasierten Frisuren in der Disko, die sie immer so anzüglich angucken. Und die Typen, die auf Frauenversteher machen, im dunklen Kämmerlein aber wahrscheinlich wildestes Phantasien pflegen weil sie nicht die Eier haben sich dafür jemanden zu suchen. So sieht also dann ein #Aufschrei aus. Herzlichen Glückwunsch…Da hat jemand wahrscheinlich eine völlig andere Geschichte lanciert…Bekommt aber ein Deutschlandweites Echo.

Whooohoo…Sommerloch schon im Januar.

So…Und jetzt -nach Dschungelfinale und DSDS- ist Twitter wieder das was es schon vor ein paar Tagen war. Ein Medium in dem alles ins Netz geblasen wird. Rassismus, Sexismus, dumme & doofe Gedanken, Tittenbildchen & Masturbationsvorlagen und vor allem eins… Nichts nachhaltiges. Aber jeder mag dran glauben. Ganz toll Deutschland…Packen wir doch die Probleme mit irgendwelchen Hashtags an, lassen wir doch eine vermeintlich mächtige Internetwelle los und hoffen darauf, dass sich dadurch etwas in den Köpfen ändert. Warum haben die Piraten gleich nochmal inzwischen nur noch Wählerstimmen im einstelligen Prozentbereich?!

Aber Hauptsache wir konnten alle mal die digitale Faust erheben. Zum deutschen #Aufschrei 2013.

Auf Twitter…

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