Sach mal Dan…

Gibt es eigentlich etwas wovor Du wirklich Angst hast?!

Sicherlich habe ich auch vor gewissen Dingen „Schiss“. Sabbernde Kleinkinder, pelzige Riesenspinnen oder aber das uns irgendwann mal das Erdöl ausgeht. Alles so Dinge mit denen man leben kann. Aber „Angst haben“ ist ein ziemlich mächtiges Gefühl. Daher gibt es auch nicht allzu viel, wovor ich wirklich Angst habe.

Definitiv dazu gehört, im Alter als „sabberndes Windelpaket“ zu enden.

Sabberndes Windelpaket?! Ok…Vielleicht etwas höflicher ausgedrückt…So sehr an Demenz zu erkranken, dass man nur lethargisch in der Ecke sitzt und nicht mehr richtig an der Welt teilhaben kann. Sicherlich kennt Ihr die zahlreichen Reportagen & Dokumentationen über das „Alt werden“. Ein paar davon zeigen eben auch die unschönen Seiten dieses Prozess. Klar…Wir hegen wahrscheinlich alle eine heillos romantische Vorstellung vom Alt werden. So mit Enkelkindern, einer Frau mit der man am Ende über 50 Jahre verheiratet ist und einen gemütlichen Lebensabend auf der Terrasse. Aber die Gesellschaft wird nun mal immer älter und vielleicht dadurch auch immer kränker. Nicht umsonst ist die Pflegebranche ein Industriezweig, der arg im Kommen ist. Pflegeheime sind ähnlich überbelegt wie amerikanische Gefängnisse. Aber das nur am Rande…hier solls ja jetzt um meine persönliche Urangst gehen.

Bloß…Warum habe ich so sehr Angst davor?! Wahrscheinlich, weil ich dieses „Leben“ nicht als lebenswürdig ansehe. Uhhaa…Starke Worte! Sind dann auch Menschen die jahrelang im Koma liegen und mit irgendwelchen Maschinen am leben gehalten werden lebensunwürdig? Meiner Meinung nach…Ja. Aber auch das soll nicht das Thema sein. Sondern viel mehr, dass jeder Mensch seine eigene Vorstellung vom „Leben“ hat. Meine ist es eben, dass man -wenn man nur noch Löcher in die Luft starrt- nicht mehr wirklich lebt. Andere Menschen mögen das anders sehen und sich ihr Leben auch anders gestalten. Ist ok für mich und auch durchaus akzeptabel…Nimmt mir trotzdem nix von meiner Angst. Zwar war ich (zum Glück?!) noch nie wirklich in der Situation, dass jemand im engsten Familienkreis z.B. an Demenz erkrankt ist, aber trotzdem macht mir auch das Angst. Dass die Eltern oder Geschwister genau so alt werden.

Ich habe vor Menschen, die nahe Angehörige trotz dieser Krankheit -vielleicht sogar zu Hause- intensiv pflegen, vollsten Respekt. Kann es sogar ein wenig nachvollziehen. Man lässt einen Menschen ungern gehen, kümmert sich umeinander…auch in schlechten Zeiten. Trotzdem frage ich mich jedes Mal, ob das wirklich ein Leben ist das man leben wollte. Körperlich, aber auch vom Kopf her, so abzubauen, dass man wieder ein Kleinkind ist welches weder sprechen, essen oder richtig kacken kann. Und die moderne Medizin (oder die moderne Zeit?) macht es uns ja auch möglich Menschen -die so „dahin vegetieren“- am Leben zu halten. Schlauch in den Magen und das Schnitzel schon püriert rein drücken. Ein Pflegedienst, der für fixe 15 Minuten vorbei schaut um einem mal eben den Waschlappen durchs Gesicht zu ziehen. Oder „Ballspielchen“ damit ein „Leben“ suggeriert wird. Alles so Dinge, bei denen es mich schüttelt. Auch wenn der Kopf bei extreme Demenz mächtig ausgeknipst ist…aber wirklich mitmachen möchte ich das nicht. Sich am Leben zu halten nur damit womöglich Angehörige noch ein paar Tage etwas von einem haben?! Oder vielleicht sogar, dass irgendwelche Pflegeversicherungen noch ein bisschen abkassieren können?! Ne, ne, ne…nicht wirklich.

Vielleicht denken jetzt einige, dass mir das alles leicht von der Zunge geht. Ok…Ich habe weder Familie, möchte Nachwuchs zeugen oder will 106 Jahre alt werden. Ihr wisst ja…In den Tag leben. Und trotzdem macht mich dieser Gedanke, später einmal so zu enden echt „fertig“. Gut…Man könnte jetzt argumentieren, dass ich ja noch jung bin und mir keine Gedanken darüber machen müsste. Aber genau da liegt der Knackpunkt. Wahrscheinlich machen sich viel zu wenige Menschen Gedanken und sind dann „überrascht“, wenn es dann so weit ist (Wenn man dann überhaupt noch überrascht sein kann!). Und siehe oben…Es kann ja durchaus unter anderen Umständen passieren. Ich geh morgen auf die Straße und werde von einem LKW weggeknüppel. Und liege dann sabbernd im Koma. Ziemlich gleiches Ding. Ich für meinen Teil habe den Entschluss gefasst, dass -wenn es soweit ist- ich keine komplizierte und aufwändige „Behandlung“ haben möchte. Keine Maschinen, keine Schläuche in irgendwelche Körperöffnungen und keine „Therapie“. Einfach „gehen lassen“…

Leider macht es uns das die Gesellschaft/Deutschland nicht so einfach. Um es mal etwas salopp zu sagen…Wenn man hier in Deutschland den Stecker zieht (egal ob als Arzt oder Angehöriger), wandert man eher in den Knast als wenn man Steuern am Fiskus vorbei schleust. Das ist gerade für Menschen wie mich traurig. Menschen die sich Ihr „Ende“ selbst gestalten wollen um dieser Urangst in den Arsch zu treten. Zwar weiß ich noch nicht, wie es genau abläuft wenn es mal soweit ist (Gott bewahre!), aber irgendein Weg wird es schon geben. Vielleicht hat sich bis dahin ja auch etwas in der Gesellschaft/an den Gesetzen geändert. Bis dahin muss man wohl mit dieser Angst leben…

Da fällt mir ein…Ich muss unbedingt mal gucken, wo ich meine Patientenverfügung habe…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Kenne diese Angst, und auch noch andere . . . vor dem was da vor uns liegt. Damals™ war das alles besser, da war bevor man sich darüber Gedanken machen konnte schon mit knapp über 30 Feierabend . . .

    • Nun ja…Mit knapp über 30 muss ja auch noch nicht unbedingt Schluss sein.

      Gegen das „alt werden“ habe ich ja auch gar nichts…so lange man „normal“ und einigermaßen gesund alt wird. Mir zaubert es immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich ältere Herrschaften (meinetwegen auch mit Rollatoren) sehe, die eine gewisse Lebensfreude ausstrahlen…Das sind für mich glückliche, alte Menschen.

      Wenn ich allerdings von „sabbernden Windelpaketen“ höre, wird mir regelmäßig schlecht. Nicht nur weil es mir leid um die Menschen tut. Auch weil es mich ankotzt wie sehr diese „moderne“ Gesellschaft Menschen im Alter noch „durchzieht“.

      Wie Du sagtest…Früher…Da hatte man gewiss noch eine andere Einstellung zum Tod.

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